Elektronovellen

Elektronovellen: Marcus Hammerschmitt, Pension Barbara

Zur Frage recherchierend, was denn der geschätzte Marcus Hammerschmitt wohl so macht, stieß ich unlängst auf seine jüngste Erzählung „Pension Barbara, deren Setting in einem Dorf mit einer seltsamen Geburtsklinik und alten Nazis eine subtil beklemmende Stimmung erzeugt, und den Verlag Das Beben, der sowas ausschließlich als E-Book veröffentlicht. Was soll ich sagen – ich musste sofort mehr lesen, etwa die ziemlich eklige, aber überraschend witzige Horror-Splatter-Zombie-Porno-Geschichte „Alles kaputtschlagen“ von Georg Kammerer, und, für mich die Entdeckung des Jahres, „ein totes im see’bolo“ von Gecko Neumcke, ein mitreißender Krimi, der in einer Gesellschaft spielt, in der die kapitalistische Weltordnung überwunden ist. Diese Gesellschaft ist nicht ohne Probleme, aber im Großen und Ganzen ist man entspannt und glücklich und wirklich frei: ohne Geld und ohne Profitwirtschaft. Eine positive Utopie, die nicht peinlich ist, die nicht missionierend oder mit altlinkem Pathos daherkommt, und die einem auch nicht im Oberlehrer-Style einzutrichtern versucht wird. Und nach der Lektüre bleibt ein Nachhall: es könnte so einfach sein…

Dem jungen Elektroverlag gelingt es durch den Verzicht auf die aufwändig zu produzierende gedruckte Form, höchst Lesenswertes unter die Leute zu bringen, das im normalen Verlagsbetrieb kaum eine Veröffentlichungschance hätte, und ich wünsche ihm und mir, dass er dabei nachhaltigen Erfolg hat.

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